Kostenexplosion bei der Schulsanierung

Wir haben die Kröte geschluckt. Ich meine den Beschluss zu einer absolut überteuerten Schulsanierung. Aber glauben Sie mir, es war eine schwere Entscheidung und die Tätigkeit als Heßdorfer Gemeinderat ist momentan nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig. Wie vermittle ich dem Heßdorfer Bürger mit gesundem Menschenverstand die auf minimum 12 Mio € explodierten Kosten für ein Gebäude, in dem nicht mehr über 400 Schüler (wie damals 1994) sondern nur noch 115 Grundschüler unterrichtet werden? Ruhig Blut - die Immobilie beherbergt ja noch einen Hort für max. 80 Schüler sowie eine dreigruppige Kita (Kindertagesstätte für 36 Kleinkinder) und es bleiben noch Räume übrig, die wir für andere Personenkreise bereithalten wollen. Wir sprechen also nicht mehr nur von Schule, sondern von einem Mehrgenerationenhaus. Wobei so ganz passend erscheint mir diese Formulierung nicht.

Lange wurde uns Gemeinderäten ein aktzeptabler Finanzierungsplan von der Gemeindeverwaltung vorenthalten, sodass sich die Atmosphäre in den Sitzungen verdüsterte und das ganze Projekt trotz Planungskosten von über 1 Mio € zu platzen drohte. Aber wie gesagt, wir haben die Kröte geschluckt. Leider mit der Konsequenz, dass die jahrelang auf mittlerweile 5,5 Mio € angehäuften Rücklagen schnell aufgezehrt sein werden und wir uns aufgrund weiterer Projekte, wie Feuerwehrgerätehaus, Kläranlage Hannberg, Bauland-ausweisung Heßdorf Süd auf eine Kreditaufnahme von 8 - 10 Mio € einrichten sollten. Trotz relativ günstiger Zinssituation wird uns diese jährlich ca. 150.000 € Zinsen abverlangen.

Doch zurück zum Mehrgenerationen-Schulhaus. Der Gebäudekomplex kann in einen alten Trakt (1964 fertiggestellt), die kleine Sporthalle (1969) sowie den Wabenbau (1979) unterteilt werden. Im Jahr2008 mussten wir zuletzt 150.000 € für die Betonsanierung des Wabenbaus sowie die Deckener-neuerung der Sporthalle in die Hand nehmen. Doch schon bald wurde deutlich, dass eine tiefgreifende Generalsanierung oder ein Neubau unumgänglich sind. Bei der Frage, ob wir den Altbau ganz abreißen oder sanieren sollten, fühlten wir SPD-Gemeinderäte, Stefan Stiegler und ich, uns vom Bürgermeister Horst Rehder schlecht informiert und über den Tisch gezogen. Wir haben uns 2013 über diese sog. „Hinterzimmerpolitik“ lautstark beschwert und haben dem Bürgermeister vorgeworfen, einseitig die Renovierung zu bevorzugen und eine echte Abwägung der Alternativen zu hintertreiben. Sein Hauptargument war damals, dass bei einem Neubau die Klassenzimmer kleiner ausfallen würden, als bei einer Renovierung. Das Sanierungskonzept der Fa. Popp und Hain ging 2014 noch von einer Kostenschätzung von 7 Mio € (minus staatl. Zuschüsse von 2,4 Mio €) aus. So wurde die Renovierung im März 2015 gegen unsere beiden SPD-Stimmen beschlossen. Aus pädagogischer Sicht möchte ich behaupten, man hat der Größe der Klassenzimmer eine zu wichtige Bedeutung beigemessen. Diese ist allerdings keine Garantie für gute Bildungsqualität, nachdem die Klassenstärke sich sowieso nur auf niedrigem Level (15-20 Schüler) bewegt und die Professionalität der Lehrerin (Fachwissen, Didaktik und humane Beziehungsfähigkeit , sog soft skills) wichtiger für ein gutes Fortkommen unserer Kinder ist, als nur die Größe der Klassenzimmer.

Aber wir wurden überstimmt und haben uns im demokratischen Sinne gefügt. 2017 wurden die Planungen konkreter. Mit Gerhard Schäfer haben wir einen profilierten Projektplaner engagiert, der mit seinem Fachwissen und seiner Ausstrahlung zu überzeugen weiß. In einem sogenannten VOF-Verfahren haben wir 5 von 15 Bewerbern eingeladen und uns letztendlich für das Architektenbüro Inch + Arch entschieden. Deren Chef Mario Bodem hat die Konkurrenten mit seinem Konzept und den Hauptargumenten ökologisches Denkweise, Kreativität und Kostenbewusstsein klar ausgestochen.

Nun hat aber die Auslastung der Bauwirtschaft bei unseren Ausschreibungen deutlich gemacht, dass Bauen unter den derzeitigen Bedingungen alles andere als billig wird. Sind bei einigen Gewerken überhaupt keine Angebote eingereicht worden, so wurden andere (z.B. Rohbau) total überteuert offeriert. Eine zweite Ausschreibung brachte zu unserem Bedauern auch keine wesentlichen Verbesserungen. Hinzu kamen Teminverschiebungen von mehr als 10 Wochen, so dass wir Mühe hatten die Bindung älterer Angebote zu gewährleisten. Auch wenn die Frage nach dem „worst case“ (schlimmsten Fall) angebracht war, schien sich doch plötzlich die Angst vor den hohen Kosten breit zu machen. Aber wie gesagt, wir haben die Kröte geschluckt. Am 17.4.2018 entschied der Gemeinderat weiterzumachen. Stefan Stiegler stimmte dagegen und brachte damit seine Verärgerung deutlich zum Ausdruck, da eine ordentliche Vorbereitung durch die Gemeindeverwaltung nicht gegeben war. Im einzelnen begründet Stefan Stiegler seine Entscheidung wie folgt: „In den vorhergehenden Sitzungen habe ich immer wieder versucht Möglichkeiten zu finden, wie man hier noch eingreifen könnte. Nachdem die Antwort am Ende eigentlich immer auf das Gleiche hinaus lief, „Weiter so“ oder „STOP“, war das dann die Basis, wonach ich entscheiden musste. Für mich war klar, dass ich ein „Weiter so und dann sehen wir schon wo das Ganze hinführt“, nicht vertreten kann. Schließlich muss jede Kostensteigerung zur Ursprungsplanung zu 100% von der Gemeinde bezahlt werden. Auch ich wünsche mir, dass das Projekt gelingt und wir eine sehr gute Schule bekommen, in der die Kinder wunderbar und mit Spass lernen können. Aber auf Grund der mir von der Verwaltung zur Verfügung gestellten (oder eben auch nicht zur Verfügung gestellten) Informationen konnte ich einem „Weiter so“ nicht guten Gewissens zustimmen.“

Auch wenn die Vorgänge um die Schulhausrenovierung wenig Freude aufkommen lassen, so war sich die Mehrheit des Gemeinderates doch darin einig, dass ein Baustopp mit anschließender Neukonzeption angesichts der Konjunkturlage in der Baubranche kein günstigeres Ergebnis erbracht hätte. Eher das Gegenteil. Alles nicht sehr schön – aber wüssten Sie eine bessere Lösung?

Roland Sekatzek